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Sonntag, 25. September 2016

NAUTINEUM zeigt seltene 160 Jahre alte Metalltonne aus der Ostsee

Michael Mäuslein, Kurator für Meerestechnik am Deutschen Meeresmuseum, erläutert das neue Ausstellungsobjekt im NAUTINEUM. (Foto: Jan-Peter Reichert/Deutsches Meeresmuseum)

NAUTINEUM zeigt seltene 160 Jahre alte Metalltonne aus der Ostsee


(Stralsund) Das NAUTINEUM auf der Insel Kleiner Dänholm zwischen Stralsund und Rügen ist um ein seltenes Exponat reicher. Ab sofort ist ein mehr als 160 Jahres altes und somit historisch wertvolles Seezeichen Bestandteil der Ausstellung zur deutschen Meeresforschung. Dabei handelt es sich um den bisher einzigen Nachweis dieses besonderen Seezeichens in der südlichen Ostsee.

Am 9. Februar 2013 wurde vor dem Darß vom Mehrzweckschiff ARKONA des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Stralsund (WSA) ein rostiger Metallkörper vom Ostseegrund geborgen. „Das Objekt lag in etwa 20 Meter Wassertiefe.“, so Dirk Berger vom WSA. Dank der jahrelangen guten Zusammenarbeit zwischen WSA und Deutschem Meeresmuseum kam sogleich der Kontakt zu Michael Mäuslein, Kurator für Meerestechnik, zustande. Es wurde schnell klar, dass das Seezeichen die Ausstellungen im NAUTINEUM thematisch hervorragend ergänzen würde. Das WSA baute zu diesem Zweck den entsprechenden Unterbau, um das halbkugelförmige Fundobjekt optimal präsentieren zu können.

Zunächst war völlig unklar, um was genau es sich bei dem etwa 2,00 Meter mal 1,50 Meter großen Schwimmkörper, der stromlinienförmig ausgebildet ist, handelt. Dank eines externen Hinweises kam eine Vergleichstonne ins Gespräch, die im Englischen Kanal als Seenotrettungstonne genutzt worden war – die so genannte Peacock Tonne. Sie könnte als Vorbild für die Bauweise der „Ostseetonne“ gedient haben. Die Metalltonne besteht aus schmiedeeisernen Platten, die genietet wurden und sich überlappen. Diese Art der Konstruktion ermöglicht die Datierung auf die Zeit um 1850. Der nächste Schritt könnte nun darin bestehen, z. B. die genaue chemische Zusammensetzung des Materials zu bestimmen.

Fakt ist, dass es sich um eine der ersten Metalltonnen handelt, welche in der Ostsee zum Einsatz kamen. Zuvor wurden nur Holztonnen verwendet. Bekannt ist auch, dass um 1850 die Preußen begonnen haben, Meeresforschung in der Ostsee zu betreiben. Also könnte die Seetonne zum Messen der Temperatur und weiterer Wetterdaten in der Ostsee genutzt worden sein, so eine Theorie von Michael Mäuslein. Es gibt aber auch Vermutungen, nach denen diese Tonne als Teil eines Sperrwerks für U-Boote in beiden Weltkriegen diente.

Sicher ist bisher: bei der Metalltonne im NAUTINEUM handelt es sich um ein bislang in der Ostsee einmaliges und in Teilen noch rätselhaftes, jedoch geschichtlich und technisch überaus bedeutendes Objekt. Spannend bleibt für das Deutsche Meeresmuseum nach wie vor die Fragestellung, warum gerade diese Tonne, in dieser Bauform, an dieser Stelle zum Einsatz gekommen sein könnte. „Vielleicht meldet sich jemand, der weiterführende Hinweise für uns hat.“, hofft Michael Mäuslein, um der Lösung dieses Unterwasserrätsels ein Stück näher zu kommen.

Das neue Exponat ist in der alten Tonnenhalle des WSA zu sehen, die heute Zeitzeugen deutscher Meeresforschungstechnik im NAUTINEUM beherbergt. Das Museum ist noch bis Ende Oktober jeden Dienstag von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet. Auf dem weitläufigen Areal am Ufer des Strelasunds beeindrucken weitere zahlreiche Großexponate der Fischerei und Meeresforschung, wie z. B. Kutter, Seezeichen, das begehbare Unterwasserlabor HELGOLAND und ein historischer Fischerschuppen. Der Eintritt ist frei – auch für angeleinte Hunde.

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